Maxspect Razor R420r Test

Technik

Starke Aquarien Beleuchtungen mit guten Werten, ansprechendem Aussehen, vielen Einstellmöglichkeiten und einem akzeptablen Preis sind selten. Giesemann hat bspw. mit den Teszla und Futura Modellen 2 attraktive Modellreihen im Angebot. Bei genauerer Recherche sticht sehr schnell die Maxspect Razor R420r ins Auge. Sie unterbietet die Giesemann Modelle preislich deutlich, ist schlank, formschön und bietet Einstellmöglichkeiten für Lichtfarbe und Tagesabläufe. Wir testen das 8000K 160W Modell.

Der Markt der Aquarienbeleuchtung wird von immer mehr LED Produkten durchdrungen. Alt eingesessene Hersteller sind durch Firmen wie Giesemann genauso vertreten wie Newcomer durch Maxspect und lumlight (um nur wenige zu nennen). Der Andrang auf LED Beleuchtung ist verständlich:

Aquarien in denen Pflanzen keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen können mit sehr wenigen Watt zufriedenstellend ausgeleuchtet werden. LEDs haben eine deutlich längere Lebenszeit als Leuchtstoffröhren oder gar HQI Brenner. Der Stromverbrauch kann sich durch LEDs erheblich senken und die Wartung - im besten Fall auf null - reduzieren. Durch die geringe Hitzeentwicklung ist es oftmals sogar möglich die LED Beleuchtung in der Aquarienabdeckung zu platzieren.

Aquarien in denen Pflanzen eine Rolle spielen stellen naturgemäß höhere Ansprüche an die Ausleuchtung. Die hier vorgestellte - und getestete - Maxspect R420r hat in unserem Fall 160W und entwickelt Abwärme die entsprechend abgeführt werden muss. Der Einsatz unterhalb einer Abdeckung kommt daher nicht mehr in Frage. Wenn Pflanzen beleuchtet werden sollen, spielen neben der reinen Lichtstärke in Lumen auch andere Faktoren wie der PAR/PUR Wert eine Rolle. Auf all diese Dinge möchten wir im folgenden eingehen.

Technische Daten

Das getestete Modell hat eine Leistungsaufnahme von 160W. Es besteht aus 3 LED Pads auf denen sich jeweils 13 LEDs befinden. Das hier getestet 8000K Modell hat 2 separat steuerbare Kanäle geteilt in Kanal 1 als "Kalt Weiß" / "Warm Weiß" und Kanal 2 "Kalt Weiß" / "Blau".

Bei den verbauten LEDs handelt es sich um Cree XLamp® XP-E Chips hinter einer 90° Optik.

Die erzeugten PAR Werte sind abhängig vom Abstand des beleuchteten Objekts zur Lampe. Laut Hersteller erzeugt das 160W Modell bei 60cm Abstand direkt unter der Lichtquelle 300-400 µmol/(m²s) auf knapp 10cm Kreisdurchmesser, 200-300 µmol/(m²s) auf etwas mehr als 60cm Kreisdurchmesser und 100-200 µmol/(m²s) auf etwas mehr als 90cm Kreisdurchmesser. Außerhalb der ca. 90cm verliert sich die Leistung auf 100-0 µmol/(m²s).

Die PAR Werte verteilen sich gut über die tatsächlich gut nutzbaren PUR Bereiche der PAR Skala (Grundlagen zu diesen Werten finden Sie hier).

Der folgende Graph orientiert sich (grob) an den Herstellerwerten und soll schemenhaft (enthält Schätzwerte) die Verteilung der Strahlung auf die beiden PUR Teilbereiche verdeutlichen. Auf der x Achse findet sich die Wellenlänge in nm, auf der y Achse die Leistung in Prozent.

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Verpackung & Erster Eindruck

In einer schlichten Kartonverpackung findet sich alles nötige Zubehör um die Beleuchtung direkt in Betrieb nehmen zu können. Neben dem recht massiven Netzteil finden wir ein Stromkabel, Gestänge (Halterung), Hängevorrichtung, Bedienungsanleitung, sowie Kleinteile.

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Der erste Eindruck der Leuchte ist sehr positiv. Der Kühlkorper ist sauber und hochwertig verarbeitet und die allermeisten Kunststoffteile ebenso. Lediglich die aufdringliche Produktbezeichnung neben dem Display und das dunkelblau beleuchtete Display selbst passen nicht so recht zu dem ansonsten sehr schlanken & eleganten Gehäuse.

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Aufbau & Inbetriebnahme

Das Netzteil wird anhand eines regulären Kaltgerätesteckers (beiliegend) mit Strom versorgt. Das Kabel vom Netzteil zur Leuchte ist mit einer Länge von ca. 2,80 ausreichend lang bemessen. Der Aufbau gestaltet sich sehr einfach: Sind alle Stromkabel verbunden und der Hauptschalter am Netzteil umgelegt, wird der Nutzer durch ein blau hintergrundbeleuchtetes Display begrüßt.

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Anhand des abgebildeten Dreh-, Druck- Bedienelementes lassen sich (hier im manuellen Modus) alle LEDs an/aus schalten, sowie die Intensität der beiden Kanäle in 1% Schritten festlegen. Darüber hinaus lassen sich Zeitabläufe programmieren, hierzu später mehr.

Betrieb

Energieverbrauch

Die Lichtleistung der Maxspect ist sehr hoch, dementsprechend ist der Kühlkörper nicht zur Zierde angebracht und auch ohne die Verlustleistung durch Abwärme ist der Stromverbrauch bereits recht hoch. Erhältlich ist die R420r in 3 Varianten als 60W, 120W und 160W. Auf dem Markt scheinen auch noch längere Modelle um die 300W erhältlich zu sein, sie finden sich allerdings nicht auf der Maxspect Webseite.

Das hier getestet 160W Modell erzeugt bei 8 Stunden täglichem Betrieb auf 100% Leistung und einem KW/h Preis von 28 Cent, Kosten von ca. 10,80 € pro Monat und entsprechend 131,40 € pro Jahr.

Wir haben den Stromverbrauch nachgemessen und kamen bei 100% Leistung auf 156 Watt. Bei 90% Leistung sind es 138 Watt und bei 5% blauem Kanal (Mondlicht) kamen wir auf 6 Watt. Wenn beide Kanäle auf 0% stehen, was einer Art Standbymodus entspricht, werden immer noch ca. 4 Watt verbraucht.

Hitzeentwicklung & Lüftergeräusche

Eingangs haben wir bereits angesprochen das der Betrieb unterhalb einer Aquarienabdeckung aufgrund der Abwärme nicht mehr möglich ist. Bei der ersten Inbetriebnahme wurden wir nach ca. 20 Minuten auf 100% Leistung von den beiden Lüftern überrascht. Sie werden automatisch und temperaturabhängig eingeschaltet. Bei bis zu 90% Leistung beider Kanäle wird der Kühlkörper zwar sehr warm, die Lüfter bleiben jedoch ausgeschaltet. (Bei einer Raumtemperatur von ca. 21 Grad.)

Wenn die LEDs über einem Wohnzimmeraquarium betrieben werden, können die Geräusche bei 100% Leistung durchaus stören. Welche Leistung im Alltag tatsächlich programmiert wird, bzw. nötig ist, hängt natürlich vom Einzelfall ab. Wir empfanden das Lüftergeräusch als zu laut für Wohnräume.

Abhängig von der Aquariengröße und dem Lichtbedarf der Bepflanzung lassen sich Kompromisse hinsichtlich der programmierten Leistung finden. Eine Option wäre es die 100% Leistung (sofern überhaupt benötigt) auf eine Zeitspanne zu legen in der üblicherweise niemand im Raum ist. Wir empfanden bereits 80% Leistung - rein subjektiv und über einem 65x65x65cm Würfel - als sehr stark und optisch ansprechend. Hiermit scheint dann auch ein dauerhaft lautloser Betrieb möglich.

Kringeleffekt

Der Kringel- oder Kräuseleffekt, bzw. physikalisch korrekt die Diakaustik bezeichnet ein leichtes Flimmern auf Oberflächen wie Blättern & Bodengrund innerhalb des Aquariums. Hierdurch wirkt das Becken natürlicher, da dieses Lichtverhalten auch in der Natur zu beobachten ist. Künstlich entsteht der Effekt durch starkes, möglichst gerade auf das Wasser gerichtetes Licht. Bei leicht bewegter Oberfläche (die normale Strömung aus dem Filter genügt) wird das Licht auf der Wasseroberfläche unterschiedlich gebrochen was zu dem Kringeleffekt führt. Leuchtstoffröhren (T5, T8) geben ihr Licht so diffus ab, das kein Flimmern entsteht. Starke Halogen, HQI oder LEDs leuchten so direkt auf das Wasser das der Kringeleffekt erzeugt werden kann.

Die Maxspect erzeugt einen (subjektiv) sehr starken Kringeleffekt und verleiht dadurch jedem Aquascape eine besondere Faszination.

Programmierung von Zeitabläufen

Die Programmierung der Abläufe ist umständlich gelöst. Das ist zum einen dem kleinen Display geschuldet, zum anderen den verwirrenden Menübezeichnungen für Programme, Presets und Automatikmodi. Die Menüführung könnte insgesamt einfacher und intuitiver sein.

Der Nutzer hat die Wahl zwischen 3 verschiedenen Betriebsmodi: Manuell, Presets, Automatik.

Im manuellen Modus kann anhand des Drehreglers jederzeit die Beleuchtungsintensität geändert werden. Die gewählte Leistung ist solange unverändert gültig bis der Nutzer das nächste mal manuell eingreift.

Der Preset Modus bietet eine Auswahl von 2 vordefinierten Tagesabläufen durch den Hersteller. In diese Abläufe kann nicht eingegriffen werden.

Über den Automatikmodus lässt sich ein eigener Ablauf programmieren. Die programmierten Zeitabläufe verhalten sich allerdings nicht so wie man es erwartet oder von Zeitschaltuhren kennt. Das Menü bietet 6 frei belegbare "Ereignis Slots", die an eine Uhrzeit gebunden werden und für die jeweils die Leistung beider Kanäle bestimmt werden kann. Setzt man die Leistung bspw. für 12 Uhr auf 0%, 13 Uhr auf 50% und für 14 Uhr auf 100% so bedeutet dies nicht das die Beleuchtung um 13 Uhr auf 50% springt und um 14 Uhr auf 100%. Im geschilderten Fall würde die Beleuchtung zwischen 12 und 14 Uhr linear auf von 0 auf 100% hochdimmen.

Das Gerät versucht aus allen eingegeben Werten einen weichen Tagesablauf zu generieren und dimmt (in unserem Beispiel) über mehrere Stunden eine sanfte Kurve über alle eingestellten Werte von 0 auf 100.

Das ist zwar nett gemeint und sicherlich auch ein angenehmer Effekt, es wäre aber schön wenn man detaillierter in den Ablauf eingreifen könnte, oder zumindest mehr als 6 Slots zur Verfügung hätte.

Fazit

Die Maxspect hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Der einzige echte Kritikpunkt liegt in der Geräuschentwicklung bei 100% Leistung, wie angesprochen lassen sich hier jedoch Kompromisse über den Zeitablauf, oder eine Leistungsbegrenzung finden. Auch ist die Kritik eher subjektiver Natur, denn sicher fühlt sich nicht jeder Nutzer gleichermaßen gestört.

Durch die Programmierung fühlten wir uns etwas bevormundet, hier lassen sich aber trotzdem Werte finden die den gewünschten Ablauf erzeugen.

Über die Einstellmöglichkeiten der Lichttemperatur durch unterschiedliche Kombinationen der beiden Kanäle lässt sich für jeden Geschmack die richtige Einstellung finden. Durch 5% blau und 0% warm lässt sich für den Ausklang des Lichts am Abend zudem ein sehr schönes Mondlicht simulieren. Neben all dem fasziniert uns der Kringeleffekt so sehr das er schlussendlich womöglich sogar die Geräuschkulisse ausgleicht.