Aquarium Eigenbau

Technik

Wer sich mit der Aquaristik eingehender auseinandersetzt bekommt in Bezug auf das eigene Aquarium schnell individuelle Präferenzen in Bezug auf Technik, Detaillösungen, Materialien usw. Die Konsequenz ist der Wunsch nach einer Anlage die individuell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Vorab sei gesagt das keine Gewähr für die Stabilität, Eignung oder die allgemeine Sicherheit der hier beschriebenen Anlagen oder deren Bestandteile übernommen werden kann. Jeder der sich mit dem Bau eines Aquariums, oder eines Unterschranks beschäftigt ist dazu angehalten sich selbst Gedanken über die Sicherheit, Stabilität & Gebäudestatik zu machen, keine Ratschläge oder Erfahrungsberichte ungeprüft zu übernehmen und ggf. einen Fachmann hinzu zu ziehen.

Die meisten regulär auf dem Markt erhältlichen Aquarien stimmen in dem ein oder anderen Detail nicht mit meinen Erwartungen überein. Sei es die geschlossene Abdeckung und die Verstrebung des Beckens, die dem Einsatz einer leistungsstarken Hängeleuchte im Weg steht (Eheim Incpiria) oder die fehlenden Filterdurchführungen im Boden des Beckens (Giesemann Esprit). Bei jedem Becken lassen sich Details finden die als Kompromiss geduldet werden müssen. So reifte die Idee ein eigenes Becken bauen zu wollen.

Die Idee

Mein Plan war von Anfang an ein minimalistischer Unterschrank wie man ihn bspw. von den ADA Wood Cabinets her kenn. Auch die verglaste Front der Giesemann Esprit Reihe hat mir sehr gut gefallen. Beschläge, Kanten & Fugen sollten vermieden, bzw. auf ein Minimum reduziert werden. Insgesamt sollte ein möglichst glattes Objekt entstehen das das Aquarium in den Vordergrund rückt.

Variante 1

Ein Block der an allen Seiten bündig mit dem Becken abschließt. Diese Variante hat den Vorteil das alle Seiten ohne Versatz von oben nach unten verlaufen. Der Unterschrank ist nicht breiter als das Aquarium und drängt sich visuell nicht in den Vordergrund. Der Nachteil dieser Variante ist das direkt auf dem Unterschrank aufliegende Aquarium. Die Styropor Unterlage ist dadurch von der Seite aus sichtbar und eine unauffällige Kiesblende ist nicht ganz einfach umsetzbar. Hierfür habe ich über ein "vernebeltes", leicht transparentes Klebeband nachgedacht. Weiß wäre ebenfalls eine Option gewesen, allerdings sind diese Streifen in ca. 5-10 cm Breite nicht überall erhältlich. Des Weiteren muss das Aquarium vorne ca. 2cm über den Korpus des Unterschranks überstehen wenn auch die Türen bündig mit dem Becken abschließen sollen. Beim Giesemann Esprit ist das genau so umgesetzt, war mir ehrlich gesagt aber suspekt.

Letztlich war der unsaubere Übergang vom Korpus zum Aquarium ausschlaggebend für das Ausscheiden dieser Variante. Wen das nicht stört der findet hier eine gute englischsprachige Anleitung für den Nachbau der ADA Wood Cabinets. Im Flowgrow Blog hat sich jemand die Mühe gemacht den Artikel ins deutsche zu übersetzen. Nach meinen Recherchen ist das verwendete Formica für die Außenhaut in Deutschland nicht erhältlich, man muss also auf eine Folierung oder Lackierung ausweichen. Formica macht allerdings einen sehr guten Eindruck. Sollte jemand Bezugsquellen in Deutschland kennen, so würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen.

Variante 2

Besteht aus einem tragenden Korpus der genau bündig mit dem Aquarium verläuft. Dieser tragende Teil ist nur der Innenteil des Unterschranks. Rechts, Links, Vorne und bei Bedarf hinten wird mit Platten (Türen) beliebiger Ausführung verkleidet. Die Verkleidung verdeckt nicht nur den Unterschrank, sondern ragt 5-10 cm über den Unterschrank nach oben hinaus. Dadurch entsteht auf einfache Art (und optisch sehr glatt) eine Kiesblende für das Aquarium. Der Unterschrank wird hierdurch etwas Breiter als das Aquarium, aber nur minimal und ohne weitere Fugen oder visuelle Brechungen. Ein weiterer Vorteil ist die leichte Austauschbarkeit der Verkleidung. Beschädigungen können repariert werden ohne an die Substanz des Unterschranks gehen zu müssen und Veränderungen (anderen Lackierung, Holzarten usw.) lassen sich genauso leicht vornehmen.

Zusätzlich muss die Außenhaut des Korpus nicht sonderlich sauber verarbeitet werden. Ich hatte insbesondere Sorge ob die Kanten und Übergänge von einer Platte zur nächsten ohne weiteres sauber lackiert werden können. Aus diesem Grund ist auch das bei Variante 1 angesprochene Formica eine gute und leicht zu verarbeitende Alternative zu Lack. Variante 2 erspart all diese vermeindlichen Schwierigkeiten.

Aus den genannten Gründen habe ich mich für Variante 2 entscheiden.

Maße

Die Maße des Aquariums sollte ca. 120cm in der Breite und ca. 50cm in der Tiefe betragen. Tiefere Becken (wie bspw. das Giesemann Esprit mit 60cm) bieten zwar mehr Gestaltungsspielraum beim Einrichten des Beckens, ragen allerdings auch sehr weit in den Raum hinein. In meinem Fall zu weit. 10cm hören sich zunächst nach einem recht kleinen Unterschied an, beide Maße wirken dann aber doch sehr verschieden.

Da ich das Aquarium mit einer (1) Hängeleuchte beleuchten wollte, war 120cm das Maximalmaß für meine Kombination. Ein breiteres Becken wäre an den Seiten zu schlecht ausgeleuchtet.

Die Höhe sollte ebenfalls 50cm betragen. Mehr hätte nur zu mehr Gewicht, aber keinem wirklichen Gewinn an Gestaltungsspielraum geführt.

Die Höhe des Unterschranks ist nicht ganz einfach zu bestimmen. Mein Ziel war es sie so zu wählen das ein durchschnittlich großer Mensch sowohl aus dem Stand, als auch von einem durchschnittlichen Sofa oder Sessel aus bequem in das Becken schauen kann. Die Präferenz lag auf der sitzenden Variante, weshalb ich eine Höhe von 70cm für den Unterschrank gewählt habe.

Materialien

Für den tragenden Korpus kommen grundsätzlich Holz und/oder Metall in Frage. Da das geplante Becken mit (12x5x5 =) 300 Litern zwar kein Nanoaquarium mehr, aber immer noch kein Schwergewicht ist, war Metall aus Sicht der Stabilität nicht unbedingt nötig. Hinzu kam das ich es hätte fertigen lassen müssen. Ich wollte den Korpus solide und schön - gleichzeitig aber kostenbewusst - umsetzen damit möglichst viel Budget für die tatsächlich sichtbaren Elemente wie das Aquarium und die Holz(außen)verkleidung zur Verfügung steht.

Die Entscheidung viel daher auf Holz, genauer auf MDF Platten (Mitteldichte Faserplatten). Sie lassen sich in fast allen Baumärkten zuschneiden und sind kostengünstig (bei 22mm Stärke ca. 22,50€/qm) verfügbar.

Wer sie lackieren möchte muss sie mit einem Füller behandeln, da sich insbesondere die Kanten mit Lack vollsaugen. Wer auf die Lackierung verzichtet, sollte zu folierten (grundierten) Platten greifen damit das Material weniger anfällig für Wasser ist.

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Konstruktion

Das Aquarium sollte gesamtflächig auf einer Holzplatte aufliegen. Diese tragende Platte sollte wiederum auf den Stützplatten liegen, welche auf einer Bodenplatte stehen um das Gewicht besser auf den Fußboden zu verteilen. Insbesondere bei Parkett und Laminat lassen sich so Druckstellen vermeiden.

Die Rückwand muss zwischen den beiden Seitenteilen stehen um eine Seitenneigung / Trapezbildung des Korpus zu sperren. Die mittlere Stütze ist doppelt ausgeführt, steht vorne an und lässt - zur Durchführung von Kabeln und Schläuchen - eine Lücke zur Rückwand.

Die beiden Seitenteile sind nicht bis zur Vorderkante geführt um die Türscharniere an den Außenverblendung anbringen zu können.

Lochbohrungen (Kabel und Rohre) werden an allen 4 Ecken der Rückwand und an der oberen - das Aquarium tragenden - Platte umgesetzt.

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Bau des Korpus

Die Verarbeitung von MDF ist recht einfach, dennoch empfehle ich dringend den Zuschnitt im Baumarkt oder beim Tischler machen zu lassen. Präzise, gerade Kanten sind für eine stabile Kombination absolut notwendig und lassen sich im typischen Hobbykeller (Stichsäge) nicht ansatzweise so genau umsetzen wie auf professionellen Maschinen. Zudem ist der Zuschnitt in den meisten Fällen kostenlos (bezahlt wird nur das erhaltene Material, nicht der Verschnitt).

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Ich habe mich entschieden die sichtbaren Teile des Korpus weiß zu lackieren. Hierzu habe ich alle Flächen und insbesondere die Kanten mit einem Füller (teilweise mehrfach) vorbehandelt, diesen nach der Trocknung angeschliffen und dann lackiert. Die Verwendung des Füllers an den Holzkanten kann ich nur dringend empfehlen.

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Innenbeleuchtung des Unterschranks

Ikea bietet für die PAX Kleiderschränke, die KOMPLEMENT LED Beleuchtung an. Die LED Leisten sind in verschiedenen Längen verfügbar und werden unter Zuhilfenahme der mitgelieferten Schiene an die obere Innenseite des Schrankes geklippst. Sie lassen sich sowohl über Schalter, als auch automatisiert per integriertem Helligkeitssensor ein- und ausschalten. In der Länge 42cm kosten sie unter 20 EUR und sind auch für Unterschränke von der Stange eine gute und preisgünstige Möglichkeit eine Innenbeleuchtung nachzurüsten.

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Die Außenpaneele

Der Korpus ist als tragendes Element bewusst losgelöst von den Außenpaneelen konstruiert. Auf diese Weise lassen sie sich bei Beschädigung, Umzug, Einrichtungswechsel leicht ersetzen. Dem Geschmack sind hier kaum Grenzen gesetzt, von selbst lackierten dünneren MDF Platten, über beschichtete Spanplatten bis hin zu Metallverkleidungen ist hier alles Möglich. Echtholz vom Schreiner kann auch eine (teure) schöne Variante sein.

Nachdem einige lokale Tischler scheinbar nur größere Mengen fertigen habe ich mich dazu entschlossen die Platten online zu bestellen.

Das Aquarium

Nach längerer Suche / Recherche nach einem guten Aquarienbauer bin ich schließlich auf Emmel gestoßen. Nicht nur die Kommunikation und Beratung vor der Bestellung, sondern auch das Ergebnis ist äußerst überzeugend.

Emmel bietet auch bei Floatglas eine transparente Silikonverklebung an, wie man sie sonst eher von Weißglasbecken kennt. Die grundsätzliche Abwägung zwischen Floatglas und Weißglas ist nicht einfach. Weißglas spielt seine Vorzüge erst bei höheren Glasstärken aus. Bis 10mm Glasstärke sind die Unterschiede zwar erkennbar, die echte Trübung durch den Grünstich bei Floatglas tritt aber erst bei Glasstärken > 12mm auf.

Schließlch ist Weißglas weicher als Floatglas, was für mich letztendlich ausschlaggebend war.

Das Aquarium sollte als Poolbecken, ohne Querstreben, gebaut werden um es ohne optische Störungen offen betreiben zu können. Bei einer Länge von 120cm bietet der ein oder andere Aquarienbauer diese Becken noch in 10mm an, was laut DIN Norm noch ausreichend stabil ist. Bei dieser Länge beugt sich das Glas durch den Wasserdruck aber nach außen, weshalb ich 12mm empfehlen würde.

Das Ergebnis

Aufgrund eines Umzugs musste die Konstruktion noch einmal leicht geändert werden um etwas Gewicht mit Hilfe von Schwerlastkonsolen auf die dahinter liegende (tragende) Wand abzuleiten. Davon abgesehen habe ich den Schrank wie beschrieben gebaut:

Aquarium Eigenbau - AQUACHARTS Aquaristik Magazin

Aquarium Eigenbau - AQUACHARTS Aquaristik Magazin

Aquarienunterschrank Eigenbau - AQUACHARTS Aquaristik Magazin